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Ben Kohler

Writers Room #4 - das erste Kapitel aus »zwischenwelten«

Published 3 months ago • 7 min read

Ben Kohler, Autor.

Hey. 👋🏻

Seit dem 21. Februar gibt es »fuck« überall, wo es Bücher gibt.
Im Mai ist es so weit und du erfährst in »zwischenwelten«, wie es weitergeht. Exklusiv für dich als Abonnent meines Newsletters gibt es heute das erste Kapitel daraus direkt in dein Postfach.

Es geht um Vaterschaft, Dating, Liebe.

Zwischenwelten. Vom Nichtsuchen und Finden der Liebe.


Klappentext:

Was findest du, wenn du nicht auf der Suche bist?

Ben, ein erfolgreicher Mittdreißiger, scheint alles im Griff zu haben – zumindest beruflich.

Aber sein Privatleben besteht aus ständigen One-Night-Stands, die er über Dating-Apps findet.

Mit seiner vierjährigen Tochter versucht er, eine stabile Verbindung aufrechtzuerhalten, während er gleichzeitig in einem Strudel aus oberflächlichen Beziehungen gefangen ist.

Als Ben eine Frau kennenlernt, die sein Herz berührt, muss er sich entscheiden: Ist er bereit, sein Leben zu ändern, um echte Liebe zu finden?

Content-Notes:
Vulgäre Sprache, intime Bilder.

KAPITEL 1

Die Tropfen, die aus dem Duschkopf auf meine Haut fallen, wirken wie ein Jungbrunnen. Das Wasser ist warm und weich, ich kann spüren, wie es sich den Weg durch die Haare auf meine Kopfhaut, über das Gesicht, die Schultern, den Oberkörper, über die Oberschenkel zu den Füßen bahnt. Dann verschwindet es im Abfluss und mit ihm ein wenig der Scham, die mich seit letzter Nacht begleitet.

Als ich nach Hause kam, waren die Wolken bereits lilafarben und ich hatte den passenden Song dazu im Kopf. Der Alkohol trübte mir die Sinne, meine Augen konnten den schnellen, ruckartigen Bewegungen meines Kopfes nicht folgen und versuchten ständig, dem Bild hinterherzulaufen, wie eine Katze ihrem eigenen Schwanz. Erfolglos. Ich brauchte einige Versuche, um den Schlüssel im Schlüsselloch zu versenken, und das Erklimmen der Treppe in den dritten Stock kam mir vor wie die Besteigung der Zugspitze. In der Wohnung angekommen, machte sie sich unverzüglich an meiner Hose zu schaffen, so als hätten wir keine Zeit, weil wir jeden Moment sterben könnten. Der Gedanke erheiterte mich auf eine skurrile Art. Ich stellte mir vor, wie in ein paar Tagen in der Zeitung stehen würde, »junger Mann stirbt mit heruntergelassener Hose in seinem Flur nach durchzechter Nacht.« Ich wäre, wieder einmal, sicher der Stolz meiner Eltern.

»Hilf mir mal«, sagte sie und bearbeitete weiterhin die Knöpfe meiner Jeans, als wollte sie sie direkt abreißen.

Ich schob meine Hose nach unten, ohne sie zu öffnen, zog die Schulter nach oben und grinste sie schief an. Ich hatte in den letzten Wochen so viel abgenommen, dass ich meine Hosen an- und ausziehen kann, ohne sie aufknöpfen zu müssen. Sie lachte und ließ ihre Hand direkt in meine Shorts wandern. Ihre Finger waren kalt, so kalt, dass meine sich langsam anbahnende Erektion direkt wieder in sich zusammenfiel.

»Was ist los?«, fragte sie und packte fester zu.
»Deine Hände sind arschkalt«, sagte ich und nahm sie aus meiner Hose.
»Lass uns nach oben gehen.«
»Schon wieder Treppen? Hast du kein Sofa?«
»Oder wir machen es gleich direkt hier auf dem Boden«, sagte ich, als Witz gemeint. Aber sie nickte nur und wanderte mit ihrem Kopf nach unten, um ihn mit dem Mund zu bearbeiten. Ihre Lippen schlossen sich um meine Eichel, ihre warme und weiche Zunge fühlte sich unglaublich an. Sie saugte, erst sanft, dann immer fester. Meine Finger krallten sich in ihre Haare, ich hielt ihren Kopf und schob ihn vor und zurück, erst langsam, dann heftiger. Trotz des Alkohols, der meine Empfindungen größtenteils auf Standby geschaltet hatte, spürte ich, wie er sich schnell wieder aufrichtete und zu pulsieren begann. Ihre linke Hand lag auf meiner Hüfte, die rechte umschloss meinen Schaft und bewegte sich vor und zurück. Nach ein paar Minuten zog ich sie nach oben und wir küssten uns. Sie schmeckte nach mir, nach meinem Lusttropfen. Ich zog ihr das Oberteil über den Kopf und bewunderte ihre Brüste, die sich nur mit Mühe von dem schwarzen Spitzen-BH halten ließen. Mit meiner rechten Hand strich ich durch ihr langes, blondes Haar, wanderte über ihren Rücken und öffnete den Verschluss des BHs.

»Ich bin beeindruckt«, sagte sie.
Ich sagte nichts und küsste ihren Hals.
Als ich in sie eindrang, stöhnte sie leise. Sie stand vornübergebeugt und stützte sich an einer der Treppenstufen, die zu meinem Schlafzimmer führen, ab.
»Härter«, sagte sie. »Mach es mir härter. Ich will ihn überall.«
Und ich machte es ihr härter. Und überall.

Ich weiß nicht, wann sie ging, aber als ich aufwachte, war sie verschwunden. Keine Nachricht, kein Anzeichen dafür, dass sie jemals hier gewesen war. Ich versuchte, mich an ihren Namen zu erinnern, war mir aber nicht sicher, ob sie ihn mir überhaupt gesagt hatte.

Jetzt stehe ich unter der Dusche und beim Gedanken an letzte Nacht merke ich, wie sich ein leichtes Kribbeln in meiner Körpermitte ausbreitet. Mir wird warm, von innen heraus, und ich stelle das Wasser ein wenig kälter.

Die Unbekannte und ich haben ziemlich abartige Dinge getrieben, das kann ich ohne Übertreibung sagen. Es hat Spaß gemacht, das bestreite ich überhaupt nicht, aber mit ein wenig Abstand fühlt es sich hin und wieder bizarr an, als würde etwas nicht mit mir stimmen. Bin das nur ich? Oder ist es die Welt, in der wir leben? Sind die Menschen so gelangweilt, dass sie das Extreme suchen? Dass sie sich in eine andere Welt begeben, durch einen Schleier aus Alkohol hindurch in die fabelhafte Welt der Phantasie gehen?

Nichts bleibt lange im Verborgenen. Man kann Sehnsüchte und Träume unterdrücken, bis sie einen umbringen. Auffressen, mürbe machen, zusammenfallen lassen wie ein Haus aus Bierfilzen am Tresen in der Eckkneipe. Oder man stellt sich ihnen, macht sich ihrer Existenz bewusst und findet Wege, die Energie abfließen zu lassen. Mir erscheint das der wesentlich gesündere Weg zu sein.

Ich drehe das Wasser ab und steige aus der Dusche. Der Boden unter mir wird nass, aber ich stehe nur da und betrachte meine Konturen im beschlagenen Spiegel. »Du bist zu dünn«, denke ich und fahre mir mit der Hand durch das nasse Haar. Dann ziehe ich ein Handtuch von der Stange an der Wand links von mir und wickle es um die Hüften. Ich gehe ins Wohnzimmer und hinterlasse dabei Fußspuren aus Wasser. Ich beachte sie nicht. Draußen scheint die Sonne, das grelle Licht bricht sich in den großen Balkonfenstern. Ein feiner Nebel aus Staub wabert durch die Luft. Ich gehe in die Küche, schalte die Kaffeemaschine ein und warte, bis sie auf Temperatur ist. Als ich die Tasse unter den Ausguss stelle und den Knopf drücken will, klingelt es an der Tür.

»Ich komme«, rufe ich, betätige die Taste, die frischen Kaffee aus der Maschine laufen lässt und gehe durch das Wohnzimmer in den Flur. Mein Blick fällt unweigerlich auf die Treppe, ich denke an letzte Nacht – eigentlich ist es erst wenige Stunden her – und muss lächeln. Vor der Wohnungstür steht meine Nachbarin, einen Teller mit einem Stück Schokoladenkuchen in der Hand. Ihre großen, dunkelgrünen Augen leuchten, die kurzen, blonden Haare sind ordentlich frisiert, goldene Ohrringe baumeln bis kurz über ihre Schultern. Magdalena kommt aus Polen, hat einen zehnjährigen Sohn, den sie allein großzieht und fühlt sich die meiste Zeit ziemlich einsam.

»Hey Ben, war spät gestern?«, fragt sie und klimpert mit ihren langen Wimpern.
»Eher früh«, sage ich, an die Tür gelehnt. Ich will sie nicht hereinbitten, es ist zu früh für ihren deutsch-polnischen Akzent, dem es manchmal schwer ist, zu folgen. Sie lächelt mich an.
»Ich hab ein Stück Kuchen für dich, wenn du magst.«
»Das ist lieb, danke.« Sie streckt mir den Teller entgegen, ich nehme ihn und schließe die Tür. Einen Moment bleibe ich reglos stehen und denke, dass das nicht besonders nett von mir war. Dann drehe ich mich um, blicke in den Spiegel, der gegenüber der Tür hängt, und zucke mit den Schultern.

Ich bin noch nicht wieder ganz in der Küche, da bekomme ich eine WhatsApp-Nachricht. Magdalena. »Schade, dass dir dein Handtuch nicht von der Hüfte gerutscht ist«, schreibt sie. »Lass dir den Kuchen schmecken.« Ich lege mein iPhone auf den Tisch, stelle den Teller daneben und hole aus der Küche die Kaffeetasse und eine Gabel.

Magdalena ist ungefähr zwei Jahre nach mir in dieses Haus eingezogen, da waren meine damalige Partnerin und ich bereits getrennt und meine Freundin aus der Wohnung ausgezogen. Sie kennt mich also nur als Single mit gelegentlichen Bekanntschaften, die nur dann zu mir nach Hause kommen, wenn meine Tochter nicht bei mir ist. Es ist, als würde ich zwei Leben führen. Eines, dessen Inhalt nur in Erwachsenenliteratur stattfinden könnte, und ein anderes, FSK-0-Leben, in dem ich Windeln wechsle, Fläschchen mache und nachts aufstehe, um mein weinendes Kind zu beruhigen. Keinem von beiden würde ich im Moment den Vorzug geben.

Wir hatten nie etwas miteinander, Magdalena und ich, aber seit ein paar Wochen flirtet sie mit mir, wann immer wir uns zufällig über den Weg laufen. Gelegentlich trinken wir ein Glas Wein zusammen, reden über unsere Kinder, über die Arbeit, über das teure München. Oberflächliches Zeug, was man eben so unter Nachbarn zu besprechen hat.

Ich setze mich mit dem Gesicht zum Fenster, schaue in den Garten unter mir und steche mir ein Stück Schokoladenkuchen ab. Dann nehme ich mein iPhone in die Hand, öffne Magdalenas Nachricht und lese sie nochmal. Provokant, denke ich. Und dann: Das kann ich auch.

Ich tippe: »Hättest ja nachhelfen können …« – ich sage nichts zu dem Kuchen und sende die Nachricht ab. Die Antwort kommt prompt: »Wein, heute Abend?«. Ich lege das Telefon zur Seite und esse ein weiteres Stück. Die Sonne ist hinter einer Wolke verschwunden und augenblicklich fühlt sich alles um mich herum grauer, einsamer und kälter an. Ich lasse den halben Kuchen auf dem Teller zurück, trinke den Kaffee in zwei großen Schlucken aus und lege mich auf die Couch, um mich von Netflix berieseln zu lassen, bis ich Mila um 16 Uhr aus dem Kindergarten abhole. Magdalena ignoriere ich und nehme mir vor, erst heute Abend zu antworten.

Während ich damit beschäftigt bin, durch die Film- und Serienauswahl zu scrollen, werden meine Augen schwer. »Wie lange habe ich letzte Nacht geschlafen?«, frage ich mich und schaue auf die Uhr, als ob sich daraus eine Antwort ableiten ließe. Ich habe keine Ahnung, wann ich ins Bett gegangen bin, woher soll ich es also wissen? Zu wenig, jedenfalls. Ich starte eine Serie, die ich schon unzählige Male gesehen habe, und entlasse meine Augenlider in die Pause. Als ich aufwache, ist es kurz vor zwei und ich fühle mich vollkommen gerädert. Neben mir liegt mein Telefon, eine neue Nachricht von Magdalena wartet darauf, von mir gelesen zu werden. »Du kannst das Handtuch auch direkt zu Hause lassen.«

Anmerkung: Das Manuskript ist noch 'work in progress', das finale erste Kapitel kann also leicht abweichen. Bald kannst du 'zwischenwelten' vorbestellen. 🎉

Zwischenwelten.
Ab Mai 2024 überall, wo es Bücher gibt.

Ben Kohler

Schriftsteller

Ich schreibe Thriller.

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