Kommerzieller Erfolg oder schreiben, auf was ich Bock habe? Geht nicht beides?



Long answer, short: doch, natürlich. Im Idealfall. Aber die Realität ist, meiner Beobachtung nach, eine andere.

Auf Twitter hatte ich die Tage die Frage gestellt, ob die dortige Autorenbubble für den kommerziellen Erfolg schreibt oder einzig und allein, um die eigene Geschichte zu erzählen, unabhängig eines möglichen finanziellen Erfolges.


Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus (rund 80 % schreiben 'nur' für die Story):

Erwartungsgemäß bekam ich recht schnell das Feedback, dass hier eine dritte Option, beides, vermisst wurde und eines das andere nicht ausschließen würde. Ich stellte die Frage absichtlich etwas provokativ - und weil 280 Zeichen nicht ausreichen, um zu erklären, warum ich das tat, versprach ich, einen Blogbeitrag dazu zu verfassen.


Warum habe ich die Frage überhaupt gestellt?

Ich habe mich im Zuge der anstehenden Veröffentlichung von #DasDorf viel mit anderen Schreibenden beschäftigt: Cover auf Amazon in den Bestseller-Listen verglichen, Klappentexte gelesen, 'Blick ins Buch' ausgiebig genutzt, Profile von Schreiberlingen studiert, und so weiter. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die mir diese Frage förmlich aufgedrängt haben:


Wer Bestseller produziert, mach sonst nicht viel anderes

Das ist wirklich auffällig. Wenn ihr euch die Besteller auf Amazon anschaut und die Namen der Schaffenden einer kurzen Google-Suche unterzieht, wird eines recht schnell deutlich: Außer schreiben machen diese Menschen nicht viel (selbst). Bedeutet, keine oder nur eine sehr rudimentäre Webseite, kaum bis gar kein Social Media, keine Diskussionen in Facebookgruppen, auf Instagram oder Twitter. Sie schreiben - fertig.


Mainstream - bei allem

Die Cover der Top 10 sehen im Grunde genommen identisch aus, so, als würden sie aus derselben Designschmiede kommen. Tun sie vielleicht auch, keine Ahnung. Schriftbild, Illustration, Platzierung, Klappentext - alles 'gestreamlined' und auf den Massenmarkt zugeschnitten. Amazon berücksichtigt bei den hauseigenen Werbeanzeigen, das habe ich auch gelernt, Bücher, die ähnlich aussehen. Wenn mein Buch also bei 'Bücher, die Ihnen gefallen könnten' auftauchen soll, ohne dass ich jedes andere Gebot überbiete, sollte mein Cover aussehen wie alle anderen. Super, oder? Nein, ganz und gar nicht. Aber leider die Wahrheit.


Schreiben, was verlangt wird

Die lesende Gemeinschaft ist auf der einen Seite sehr anspruchsvoll, auf der anderen Seite (leider) überhaupt nicht. Bedeutet, am liebsten lesen wir, was wir gewohnt sind. Immer gleiche Abläufe, irgendwie vorhersehbare Enden (meistens Happy End, auch dazu hat jemand kürzlich eine Umfrage auf Twitter durchgeführt), 3-Akt-Struktur (bei Thrillern, Horror, etc. - im Fantasy-Genre kenne ich mich überhaupt nicht aus, kann also sein, dass es dort vollkommen anders ist - da wird wohl eher die Heldenreise bevorzugt?). Wer erfolgreich sein will, hält sich daran, analysiert den Markt, die aktuellen Bedürfnisse und schreibt exakt passend darauf abgestimmt. Schaut euch die Top 10 an, es gibt darin so gut wie keine Ausnahmen von dieser 'Regel'.


Reihen. Und Tempo, Tempo, Tempo!

Richtig durch die Decke gehen Reihen. In den Top 10 finden sich nahezu keine Einzelbücher. Mindestens die Protagonisten sind identisch. Ermittlerpaar XYZ, neuer Fall, gleiches Schema. Reihen rocken, weiß mittlerweile jeder. Aber auch das Tempo ist entscheidend. Mit einem Buch pro Jahr landet kaum jemand in den Top 10. Mit vier Büchern im Jahr schon eher. Überzeugt euch selbst, ist leider so.


Ausnahmen

Gibt es, natürlich. Sehen wir mal von den großen Namen der Branche ab, gibt es auch 'One-Hit-Wonder', die an allen Regeln der Kunst vorbei das beinahe Unmögliche schaffen. Aber ihr müsst lange suchen, glaube ich. Schaut mal rein und schickt mir eine Ausnahme - ich bin sehr gespannt. :)


Aber Schreiben ist doch mein Hobby ...

... und bei einem Hobby fragt schließlich auch niemand, ob sich das irgendwann rechnet. Auch dieses Argument könnt ihr unter meinem Tweet häufiger lesen und es ist vollkommen richtig und legitim. Wenn Schreiben für dich ein Hobby ist, muss es sich nie rechnen. Dann muss es auch nicht wieder hereinbringen, was du ausgegeben hast. Macht der Radsport ebenso wenig. Oder jedes andere Hobby.


Fazit und meine persönliche Meinung

Das eine schließt das andere nicht aus, hoffentlich. Dennoch gibt es ein paar 'Regeln', die helfen, kommerziell erfolgreich zu sein, wenn man nach ihnen spielt. Ich denke darüber nach, das ist ein Prozess und wird sicher noch ein wenig dauern, wie ich beides miteinander verbinden kann: Meine Geschichten zu erzählen und kommerziell 'erfolgreich' zu sein. Es ist kein Geheimnis, auch das habe ich auf Twitter kund getan, dass ich 2022 einen Großteil meines Einkommens aus der Arbeit mit Texten beziehen will. Dazu ist es nun mal notwendig, Geld zu verdienen. Was immer das am Ende auch bedeutet, wird man sehen.


Wenn Schreiben für dich ein Hobby ist, super! Schreibe, veröffentliche, mache Menschen mit deiner Arbeit glücklich. Das solltest du dir auch von niemandem kaputt reden lassen (ich mag das Hobby-Argument sehr). Wenn du aber kommerziellen Erfolg haben willst, hilft es, sich mit den Spielregeln vertraut zu machen und danach zu spielen. Und wer weiß, vielleicht geht ja sogar beides.


PS: Ich glaube, das war die erfolgreichste Umfrage, die ich je auf Twitter durchgeführt habe. Vielen Dank für eure Teilnahme und den tollen Austausch!










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