Der Unterschied zwischen Selfpublishing und Indie-Autorys.


Dieser Artikel verwendet das neutrale Y, siehe hier: https://www.stern.de/gesellschaft/gendern-mit-y--sprachforscher-schlaegt-aerzty-statt-aerzt-innen-vor-30467248.html

Ich habe kürzlich auf Twitter geschrieben, dass es einen Unterschied zwischen Selfpublishing und Indie-Autorys gibt.

Das hat einiges an Reaktionen und Diskussionen ausgelöst - gut so! Weil 280 Zeichen nicht ausreichen, um zu erklären, was genau ich damit meine, hier eine etwas ausführlichere Erklärung (oder ein Erklärungsversuch).


Eines vorweg: Die Bezeichnung spielt für die Lesenden da draußen überhaupt keine Rolle. Sollte es auch nicht. Das war auch nicht die Intention dieses Tweets. Ich habe im Urlaub 'Erfolgreich als Self-Publisher' von Joanna Penn gelesen. Darin geht sie auch auf die Unterschiede zwischen Selfpublishing und Indie-Autorenleben ein, und für mich war das nachvollziehbar. Zuvor hatte ich mir darüber auch nie Gedanken gemacht, es ist auch jetzt noch nicht wichtig für mich.


Aber schauen wir und doch einfach mal die Begrifflichkeiten an:

Publishing bedeutet 'Verlegen, Herausgeben', dies sind also Schreibende, die ihre Arbeit selbst herausgeben. Dazu müssen sie, streng genommen, nicht einmal Autorys sein. Ich kann auch die Texte von anderen herausgeben, mache ich mit der Anthologie 'Abgedreht & Aufgedreht' als Self-Publisher. Ich kümmere mich also um Cover, Lektorat, Korrektorat, Satz, Marketing - alles, was ein 'Verlag' eben tut. Das muss ich nicht zwangsläufig selbst machen, ein 'professioneller' Verlag arbeitet oftmals auch mit Externen zusammen. Aber ich habe die Gesamtverantwortung für das Endprodukt.


Indie-Autory, oder Independent Author, bedeutet 'unabhängige(r) Schreiberling', hier geht es also zunächst 'nur' um das Schreiben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Romane, Kurzgeschichten, Presseartikel, Filmscripts, etc. sind. Autorys schreiben alle mögliche Dinge. Ein Indie-Autory muss aber nicht zwangsläufig auch 'Publisher' sein. Das kann eine dritte Partei machen, Schreiberlinge sind 'nur' für ihren Text verantwortlich. Weil dem so ist, verwerten Indie-Autorys ihre Texte oftmals über mehr als einen Kanal. Das können Podcasts, Vorträge, Schulungen, Videos und so weiter sein. Sie fungieren aber selten herausgebend.


Ich selbst bezeichne mich also als Self-Publisher. Ich verwerte meine Texte selten bis gar nicht anderswo, der Hauptgrund aber ist der, dass ich die Gesamtverantwortung für das Endprodukt trage. Ich mache nicht alles selbst, aber ich entscheide alles selbst.


Im englischsprachigen Raum, dem wir die Begriffe ja zu verdanken haben, legen Autorys ebenfalls Wert auf die Unterscheidung zwischen 'Indie-Author' und 'Self-Publisher', so viel, dass es sogar einen eigenen Verband für 'Indie-Authors' gibt, nämlich ALLi – Alliance of Independent Authors. Schaust du dir die Definitionen der Begriffe dort an, so siehst du, dass es sich bei der Abgrenzung von 'Self-Publisher' zu 'Indie-Author' allerdings mehr um eine Frage von Oberbegriff und Unterbegriff handelt, das Ganze also mehr eine qualitative Frage ist. 'Self-Publisher' ist laut ALLi jeder Autory, der ein Buch auf eigene Kosten veröffentlicht hat, ob der Hobbyschreiberling, der Memoiren für die Verwandtschaft in ein Buch verpackt hat, oder international erfolgreiche Liebesromanautorys, die alle drei Monate die Amazon-Bestsellercharts erstürmen. Ein Indie-Autory dagegen veröffentlicht zwar auch selbst, aber immer mit der Absicht, erfolgreich zu verkaufen, so viele Lesende wie möglich zu erreichen und damit ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Sollte die Stufe erreicht werden, auf der von den Einnahmen aus Büchern, Vorträgen, Lizenzen und Ähnlichem gelebt werden kann, wirst du zum sogenannten Authorpreneur, der Crème de la Crème der Indie-Autorys sozusagen.


Kritische Stimmen mögen anmerken, dass das Haarspalterei ist und dass die Begriffe 'Self-Publisher' und 'Indie-Author' aufs Selbe herauskommen. Das unterschlägt meines Erachtens jedoch den Aspekt der Unabhängigkeit, die ein grundlegender Bestandteil des Indie-Autorenlebens ist. Was Indie-Autorys auszeichnet, ist die Flexibilität im Umgang mit geistigem Eigentum und den Rechten daran. Natürlich kannst du als 'Self-Publisher' bei Amazon mit E-Book, Taschenbuch und demnächst auch Hardcover erfolgreich sein, aber damit gibst du alle Rechte an Amazon ab und erzielt die Einnahmen ausschließlich von dieser einen Plattform. Sollte Amazon seine AGB oder Angebote ändern, musst du das als 'Self-Publisher' zähneknirschend hinnehmen. Jede gewerbetreibende Person kann ein Lied davon singen, wie bedenklich es aus betriebswirtschaftlichen Gründen ist, nur eine einzige Kundschaft oder eine große und eine Handvoll kleine Kundenschaften zu haben. Springt diese eine (große) Kundschaft ab, geht auch das eigene Geschäft den Bach runter. Dem kommen Indie-Autorys zuvor, indem sie Einkommensströme vervielfältigten, indem sie sich möglichst verteilt und breit aufstellen: hier ein E-Book, dort ein Taschenbuch, da ein Audiobuch, wieder anderswo ein bezahlter Vortrag usw. Sie geben nur scheibchenweise die Rechte am geistigen Eigentum heraus und behalten die Fäden in der Hand, wenn es darum geht, was mit verschiedensten Produkten und Angeboten geschehen soll. Fällt eine Einkommensquelle aus oder schwächelt, kann dieser Verlust durch andere Geldströme verkraftet werden. Dieser Aspekt ist bei einem 'Self-Publisher' nicht notwendigerweise gegeben, und genau das ist meines Erachtens der große Unterschied zwischen Selfpublishing und Indie-Autory.


Wie zuvor erwähnt, die Unterscheidung spielt für die Lesenden keine Rolle. Sie ist auch nicht wichtig. Aber die Begriffe sind keine Synonyme und lassen, unserer Meinung nach, darauf schließen, wie jemand arbeitet bzw. worauf der Fokus liegt.


Ich hoffe, unsere Gedanken sind jetzt etwas klarer. Ich freue mich dennoch über eine rege Diskussion. Haut gerne in die Kommentare, was ihr dazu denkt.


Bis dahin - Ciao Kakao

Birgit & Ben

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